| dpa-Interview mit Manuel Neukirchner

dpa-Interview

Manuel Neukirchner gibt der dpa ein Interview.

Herr Neukirchner, ursprünglich sollte das Deutsche Fußballmuseum im Jahr 2012 eröffnen. Warum ist es nun erst 2014 fertig?

Neukirchner: „Dieses Eröffnungsdatum war nie in Stein gemeißelt. Das Jahr 2012 war in der langen Bewerbungsphase um den Museumsstandort eine unverbindliche Planzahl. Immerhin waren 14 Städte im Rennen, da können erst einmal nur vorläufige Zeitfenster zur ersten allgemeinen Orientierung kommuniziert werden. Wir wollen keine Getriebenen von irgendwelchen Terminen sein. Die Qualität steht bei uns im Fokus. Erst jetzt, nach der Gründung der Projektentwicklungsgesellschaft in Dortmund, können wir konkrete Zeiträume verkünden, an denen wir uns dann selbstverständlich auch messen lassen. Das ist mit 2014 der Fall.“

Das Museum soll 30 Millionen Euro kosten. Ist absehbar, ob diese Summe reicht?

Neukirchner: „Wir werden in den kommenden Wochen und Monaten belastbare Kostenschätzungen zur Einrichtung und Errichtung des Museums ermitteln, um das genaue Investitionsvolumen zu beziffern. Diese validen Zahlen liegen uns vor, wenn wir das Museumskonzept im April 2010 vorlegen und den Architektur-Wettbewerb im Oktober 2010 zum Abschluss bringen. Darum will ich zum jetzigen Zeitpunkt über die Investitionskosten nicht spekulieren. Wir wollen vielmehr Fakten schaffen. Und zu diesen Fakten gehört, dass bis heute das Land NRW und der Deutsche Fußball-Bund rund 30 Millionen Euro für das DFB-Fußballmuseum zur Verfügung stellen. Das Haus des deutschen Fußballs stellen wir auf eine grundsolide Basis, wir werden uns auf keine Abenteuer einlassen.“

Wie kommentieren Sie die Kritik an der Subventionierung des Museums mit öffentlichen Mitteln?

Neukirchner: „Wenn man eine öffentliche Beteiligung an solch einem Fußball-Museum kritisiert, dann muss man jedwede öffentliche Subvention für Kultur-Einrichtungen kritisieren. Denn der Fußball ist mittlerweile ein ganz starkes Stück Alltagskultur. Mit einer großen gesellschaftlichen Verantwortung, für die der DFB eintritt. Außerdem wird das Museum für die Region ein weicher und harter Standortfaktor mit ökonomischem Nutzen werden. Davon bin ich überzeugt.“

Wer kommt für den Verlust auf, wenn weniger Besucher kommen als die zur Kostendeckung nötigen 250.000 Euro pro Jahr?

Neukirchner: „Ein Fehlbetrag wird von beiden Gesellschaftern, also von der Stadt Dortmund und vom DFB, ausgeglichen. Beim DFB gibt es allerdings eine jährliche Deckelung bis 250.000 Euro. Darüber hinaus gehende Verluste müsste die Stadt tragen. Aber ich bin guter Dinge, dass wir nicht dahin kommen.“

Viele halten diese Besucherzahlen für sehr ambitioniert ...

Neukirchner: „Wir sind Pioniere, es gibt keine vergleichbare Einrichtung in Europa. Nicht in dieser Größenordnung, in der wir planen. Das Ziel, 250.000 Besucher anzulocken, ist wirklich sehr ambitioniert. Vor allem, wenn diese Zahlen nachhaltig erreicht werden sollen. Schließlich wollen wir eine schwarze Null schreiben.“

Mit welchen Konzepten wollen Sie die Menschen in das Museum locken?

Neukirchner: „Wir haben sicher einen anderen Ansatz als das klassische ´Sammeln und Bewahren´. Die Wahrnehmungs-Bereitschaft bei heutigen Ausstellungsbesuchern ist eine ganz andere als noch vor etwa zehn Jahren. Sie ist schneller, paralleler, medialer geworden und baut dank Internet und verschiedenster Netzwerke auf einem viel umfassenderen Vorwissen auf. Texte, Zeichen, Bilder, Klänge sind ganz anders kombinierbar als früher. Deshalb hat der Besucher eine eindeutige Anforderung an uns: Da, wo gestern Vitrinen mit Pokalen und den Badelatschen von Günter Netzer standen, müssen morgen sehr Besucher-orientierte, interaktive und multimediale Ausstellungs- Formate stehen. Das ist eine große Herausforderung.“

Das Interview für die Deutsche Presse-Agentur führte Heinz Büse.

29. Dezember 2009
Mit freundlicher Genehmigung der dpa.

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