| Rot-Weiss Essen öffnet seine Schatztruhe

Prominente Gesprächsrunde im Essener Museum Folkwang.

RW Essen übergibt Exponate an das Deutsche Fußballmuseum.

Unter den Gästen (v.l.): Werner Kik, Otto Rehhagel und OB Reinhard Paß.

Manuel Neukirchner und RWE-Chef Dr. Michael Welling vor der Bronzestatue „Kurze Fuffzehn“

Drei besondere Erinnerungsstücke an das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft von 1955 zwischen Rot-Weiss Essen und dem 1. FC Kaiserslautern werden künftig die Dauerausstellung des Deutschen Fußballmuseums bereichern. Im Essener Museum Folkwang überreichte Dr. Michael Welling, 1. Vorsitzender von Rot-Weiss Essen, Museumsgeschäftsführer Manuel Neukirchner die beiden Übergabe-Wimpel und den Endspielball.

#bild#Es war eine Begegnung voller Dramatik und Emotionen. Damals setzte sich die Mannschaft von RWE um „Boss“ Rahn, August Gottschalk, „Penny“ Islacker und Torwart Fritz Herkenrath vor 76.000 Zuschauern im Niedersachsenstadion von Hannover mit 4:3 gegen den FCK durch, zu dessen Team die vier Weltmeister von 1954 und Helden von Bern Fritz Walter, Werner Liebrich, Horst Eckel und Werner Kohlmeyer zählten. Mit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft erreichte die Blütezeit des Essener Traditionsvereins, die auch durch den DFB-Pokalsieg von 1953 geprägt wurde, ihren Höhepunkt.

Aus Anlass des 58. Jahrestages der Meisterschaft sowie 60 Jahre nach dem Pokal-Triumph blickte eine vom ehemaligen Sportchef der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung Hans-Josef Justen moderierte Gesprächsrunde, an der neben Dr . Michael Welling und Manuel Neukirchner auch die RWE-Legenden Otto Rehhagel und Werner Kik sowie der langjährige Zeugwart Günter Barchfeld teilnahmen, auf die Ereignisse von damals zurück.

#bild#„Der Stellenwert von Rot-Weiss Essen seinerzeit war enorm - auf Grund der herausragenden nationalen Erfolge und darüber hinaus auch durch die legendäre zweimonatige Südamerika-Tournee 1954, bei der die Mannschaft bei Freundschaftsspielen in sieben verschiedenen Staaten als großartiger Botschafter des deutschen Fußballs aufgetreten ist“, weiß Museumsgeschäftsführer Manuel Neukirchner, der Mitte der 90er Jahre als Mediensprecher von RWE fungierte. „Wir freuen uns sehr über die Exponate, die ja nicht nur RWE-Geschichte erzählen, sondern auch an den besonderen Endrunden-Modus erinnern, durch den in Vor-Bundesliga-Zeiten der Deutscher Meister ermittelt wurde.“

„Das ist eine tolle Kooperation mit dem deutschen Fußballmuseum“, sagt Dr. Michael Welling. Auf diese Weise erfüllen wir unseren Slogan „Rot-Weiss Essen – Schützenswertes Kulturgut seit 1907“ mit Leben. Der Mythos RWE basiert auf zahlreichen herausragenden Spielerpersönlichkeiten, die der Verein hervorgebracht hat, auf vielen Höhen und sicher auch zahlreichen Tiefen und nicht zuletzt auf der Treue und Leidenschaft seiner großartigen Fans.“

Otto Rehhagel und Werner Kik, beide Bestandteil dieses Mythos, schlugen den Bogen von den Zeiten Helmut Rahns über die Torjäger-Ära von Horst Hrubesch, Frank Mill und Jürgen Wegmann bis hin zu der Entdeckung von Mesut Özil, der fünf Jahre in der Jugendabteilung von RWE zu einem der größten Talente des deutschen Fußballs reifte. „Schon als Elfjähriger hat er sein enormes Potenzial demonstriert und uns alle beeindruckt“, erinnert sich Werner Kik, in den 60er Jahren eine der großen Identifikationsfiguren des Vereins und als späterer Jugendkoordinator ein Förderer Özils.

„Unser Fußballgott war ‚Penny‘ Islacker“, adelt Otto Rehhagel den Siegtorschützen von 1955 im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft, „aber natürlich hat mich auch Helmut Rahn inspiriert. Ich weiß noch genau, wie er damals in einem schicken eierschalenfarbenden Mercedes mit roten Ledersitzen in der Essener Innenstadt an mir vorbeifuhr und ich fortan den Wunsch hatte, auch einmal in der ersten Mannschaft von Rot-Weiss Essen spielen zu dürfen.“

#bild#Zu den Glanzzeiten von Rot-Weiß Essen gab es noch die enge Verflochtenheit des Ruhrgebietsfußballs mit dem Bergbau. Viele Spieler arbeiteten auf den Zechen in der Umgebung ihrer Clubs. An diese Verbindung erinnert die „Kurze Fuffzehn“, eine in den 50er Jahren von RWE in Auftrag gegebene Bronzestatue, die einen Zechenkumpel darstellt und deren Namen sich von der kleinen Zigarettenpause der Bergleute herleitet. Bis vor kurzem stand sie an der inzwischen abgerissenen alten Haupttribüne auf dem Stadion-Vorplatz. Ihre neue Heimat findet sie ebenfalls im Deutschen Fußballmuseum.

„Das ist ein wunderbares Exponat, um diese die Vorgeschichte der Bundesliga prägende Epoche des Fußballs darzustellen“, sagt Manuel Neukirchner mit Blick auf die Dauersaustellung des Deutschen Fußballmuseums.

Die nostalgische und unterhaltsame Rückschau endete mit dem Blick nach vorn und dem Wunsch aller Beteiligten, dass der aktuell in der vierten Liga angesiedelte Traditionsverein aus dem Essener Norden schon bald wieder an alte und erfolgreiche Zeiten anknüpfen kann.

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