Wie kann der Fußball demokratische Werte vermitteln?
Auch im Fußball sind diese Tendenzen spürbar. Gleichzeitig bietet der Fußball große Chancen für gesellschaftliche Integration und Vermittlung demokratischer Werte.
Wie jedoch kann diese Vermittlung nachhaltig und über den Platz hinaus gelingen? Im Rahmen seiner Feierlichkeiten zum 10. Geburtstag lud das Deutsche Fußballmuseum gemeinsam mit der Ruhr-Universität Bochum zu einem wissenschaftlichen Symposium ein. Damit will das Haus, erstmals in dieser Form für ein Museum in Deutschland, seine seit zehn Jahre laufende Bildungsarbeit selbstkritisch und professionell hinterfragen. Mit über 6.000 Schülerinnen und Schülern, die verschiedene Bildungsprogramme und Workshops besuchen (u.a. Fußball und Vielfalt, Homophobie im Fußball) gehört das Deutsche Fußballmuseum zu den führenden außerschulischen Lernorten in Nordrhein-Westfalen.
Eingebettet in interdisziplinäre Ansätze und meist an sehr praxisnahen Beispielen wurde in den Keynotes und Referaten des Tages immer wieder die zentrale Frage verhandelt: Welche Kraft hat der Fußball für die Demokratiebildung im 21. Jahrhundert – und welche Verantwortung tragen Museen dabei?
Zehn Vortragende von Universitäten und Bildungseinrichtungen waren dafür aus allen Teilen Deutschlands ins Ruhrgebiet gereist. Bereits am Vorabend waren die Teilnehmende zu einem Rundgang und Empfang im Deutschen Fußballmuseum zusammengekommen, wo das Haus seine aktuellen Bildungsprojekte vorstellte. Die folgende ganztägige Thema Tagung gliederte sich dann in vier Panels, die die verschiedenen Herangehensweisen auf das widerspiegeln: Nach einem klassischen bildungswissenschaftlichen Ansatz wurden historische, ästhetische und schließlich praktisch orientierte Beispiele aus dem Bereich der Public History vorgestellt.
Immer wieder wurde dabei deutlich, welch große und vielfältige Kraft das Thema Fußball als „Türöffner“ mit den ihm zugehörigen Räumen (z.B. Stadien, Vereinsheime, Museen) hat, Menschen aller Schichten emotional auch für gesellschaftliche und historische Themen zu erreichen. Dabei wurde jedoch deutlich, dass auch in der Umsetzung umfassend auf eine niederschwellige Vermittlung geachtet werden muss, um die Menschen nicht nur zu belehren. Verschiedene Projekte zeigten, dass dies bei der Vermittlung viel Arbeit, aber keine qualitativen Verluste bedeuten muss.
Den Abschluss der Tagung bildete ein Gespräch zwischen Museumsdirektor Manuel Neukirchner und Anna Huber, stellvertretende Leiterin des Arbeitsbereiches Bildung und Vermittlung am Städel Museum Frankfurt über die Chancen und Grenzen von Bildungsprojekten in Museen allgemein. Die Moderation übernahm Maximilian Rieger vom Deutschlandfunk, der die Tagung medial begleitete.
Das Deutsche Fußballmuseum bedankt sich für die Durchführung der Tagung in den hervorragenden Räumlichkeiten auf dem Gesundheitscampus bei der Fakultät für Sportwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum. Hier sind insbesondere die Panel-Leiter Prof. Christian Gaum (Sportpädagogik), Prof. Andreas Luh (Sportgeschichte) und Dekan Prof. Michael Kellmann hervorzuheben. Ein Dank gilt auch Panel-Leiter Prof. Christian Bunnenberg vom Lehrstuhl für Public History sowie RUB-Kanzlerin Dr. Christina Reinhardt, deren nachhaltige Unterstützung die Tagung erst ermöglichte. Das vierte Panel übernahm dankenswerterweise Prof. Matias Martinez, Literaturwissenschaftler an der Bergischen Universität Wuppertal.




