Quelle: Markwart Herzog, Der jüdische Kaufmann Max Jakob – Leichtathlet und Mäzen des FCK, umgekommen im Ghetto Litzmannstadt (Jüdische Mitglieder und Antisemitismus in der Geschichte des FCK: IX. Teil), in: Mitgliedermagazin 1. FC Kaiserslautern, Saison 2014/15, Juni/Juli, Nr. 4, 43–45.

Max Jakob

Geboren 1891 in Saarbrücken
Gestorben am 15.09.1942 in Ghetto Litzmannstadt (Lodz)
Ermordet im Holocaust
Mäzen
Leichtathlet

Werbeanzeige aus dem Adressbuch, Quelle: Adressbuch der Stadt Kaiserslautern, 21. Ausgabe 1920/21Max Jakob war ein wichtiger Mäzen des Fußballvereins (FV) Kaiserslautern, einem Vorgängerverein des 1. FCK.

Er ist in Saarbrücken im Jahr 1891 als drittes von fünf Kindern des Kaufmanns Josef Jakob auf die Welt gekommen. Im Oktober 1911 trat er in die Königlich Preußische Armee ein und diente beim 5. Rheinischen Infanterie-Regiment 65 am Standort Köln. Im Ersten  Weltkrieg war er in verschiedenen Einheiten in Frankreich im Einsatz. Infolge der Demobilmachung des Heeres wurde Jakob im November 1918 nach Saarbrücken im Dienstgrad eines Sergeanten entlassen. Mehrfach verwundet erhielt er das im Frühjahr 1918 von Kaiser Wilhelm II. gestiftete Verwundeten-Abzeichen in Schwarz. Tapferkeit und Blutzoll im Ersten Weltkrieg bewahrten die jüdischen Frontsoldaten nach Hitlers Machtergreifung, wenn auch nur vorübergehend, vor der rassistischen Verfolgung.

Seine Ehefrau Johanna Isaak wurde am 12. März 1890 in Köln geboren. Sie heirateten dort im Jahr 1919 und zogen bald danach nach Kaiserslautern um, wo sie nach mehreren Umzügen innerhalb der Stadt ab 1933 in der Pirmasenser Str. 20 bei Schuhmachermeister Clemenz zur Miete wohnten. Hier wurden im Februar 2015 von Gunter Demnig geschaffene Stolpersteine zum Gedenken für die Eheleute Jakob und deren Kinder verlegt.

, Quelle: Markwart Herzog, Der jüdische Kaufmann Max Jakob – Leichtathlet und Mäzen des FCK, umgekommen im Ghetto Litzmannstadt (Jüdische Mitglieder und Antisemitismus in der Geschichte des FCK: IX. Teil), in: Mitgliedermagazin 1. FC Kaiserslautern, Saison 2014/15, Juni/Juli, Nr. 4, 43–45.Max Jakob war Inhaber einer Handlung für Alteisen, Lumpen, Metalle, gebrauchte Maschinen und Rohprodukte. Das Firmenlager befand sich in der Zollamtstraße am Fuße des Betzenbergs, nahe beim Kaiserslauterer Güterbahnhof. Bei den Novemberpogromen 1938 wurde er von SA-Männern in seiner Wohnung überfallen, gedemütigt und misshandelt, die Zimmer wurden verwüstet und das Inventar zerstört. Am 12. November 1938 wurde er verhaftet und ins Konzentrationslager Dachau verschleppt. Dort war er einen Monat lang den Demütigungen des Lagerpersonals ausgesetzt. Er kam im Dezember wieder auf freien Fuß, da die Juden, die infolge der Novemberpogrome festgenommen worden waren, auf Anordnung des Oberbefehlshabers der Luftwaffe, Hermann Göring wieder entlassen werden mussten, wenn sie im Ersten Weltkrieg als Frontsoldaten gedient hatten.

Noch im Dezember 1938 zog Max Jakob mit seiner Frau und Tochter Hannelore Rosa (geb. 1926) nach Köln-Lindenthal. Im Jahr 1941 ist die Familie in einem „Judenhaus“ in Köln nachgewiesen. Als „Judenhäuser“ wurden in der nationalsozialistischen Behördensprache Wohngebäude in jüdischem Besitz bezeichnet, in die jüdische Mieter und Untermieter zwangseingewiesen werden konnten. Dorthin kam auch sein Sohn Erich Werner (geb. 1921) nach seiner Schulausbildung im Kreis Hannover. Erich Werner hatte Kaiserslautern bereits im Januar 1935 nach Ahlem im Kreis Hannover verlassen. Vermutlich machte er an der dortigen jüdischen Volksschule zunächst seinen Schulabschluss, um danach in der „Israelitischen Gartenbauschule Ahlem“ eine dreijährige Gärtnerlehre zu beginnen. Diese Ausbildung sollte ihm die Möglichkeit geben, nach Palästina oder in die USA auszuwandern. Doch dazu kam es nicht. Am 30. Oktober 1941 wurden alle Mitglieder der Familie Jakob in das Ghetto Litzmannstadt (heute Lodz) in Polen deportiert. Max Jakob fand am 16. September 1942 den Tod, angeblich war Herzschwäche die Ursache. Seine Frau Johanna starb am 06. Dezember 1942 an Unterernährung. Die beiden Kinder starben am 23. Juni 1944, vermutlich im Vernichtungslager Kulmhof (polnisch Chelmno). Auch seine Mutter Rosalie ist am 11. Dezember 1942 in Litzmannstadt umgekommen.

Von Max Jakob sind vielfältige Aktivitäten im Vereinsleben des FCK dokumentiert. Bei den Leichtathletikwettkämpfen anlässlich der Feiern zum 25. Gründungsjubiläum des Vereins im Sommer 1925 wurde er als Zielrichter eingesetzt. Im Veranstaltungsprogramm zu diesem Sportfest ist er unter den Inserenten zu finden. Auch in zahlreichen Ausgaben der in den Jahren 1927 bis 1931 erschienenen Vereinszeitschrift hatte Jakob Anzeigen geschaltet und gemeinsam mit anderen Inserenten auf diese Weise einen Beitrag zur Finanzierung des Drucks der Zeitschrift geleistet. Er war 1928 in der Seniorenstaffel der Stadtstaffel Kaiserslautern vertreten und wurde in demselben Jahr bei einem Jugendwettkampf (Richard-Buch-Gedächtnisspiele) auf dem Betzenberg als Kampfrichter eingeteilt.

Nach 1933 wurden jüdische Bürger im ganzen Deutschen Reich aus den Turn- und Sportvereinen ausgeschlossen. Zu diesen Opfern zählte auch die Familie um den FCK-Leichtathleten Max Jakob.

Autor: Martin Klemenz

Literaturverweise
Markwart Herzog, Der jüdische Kaufmann Max Jakob – Leichtathlet und Mäzen des FCK, umgekommen im Ghetto Litzmannstadt (Jüdische Mitglieder und Antisemitismus in der Geschichte des FCK: IX. Teil), in: Mitgliedermagazin 1. FC Kaiserslautern, Saison 2014/15, Juni/Juli, Nr. 4, 43–45.
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