Quelle: Markwart Herzog, Alexander Thury – erster Nationalspieler im Dress des FCK und Trainer bis 1937 (Jüdische Mitglieder und Antisemitismus in der Geschichte des FCK: IV. Teil), in: In Teufels Namen: Stadionmagazin 1. FC Kaiserslautern, Saison 2012/13, Juni–August, Nr. 4, 56f.

Alexander Ladislaus Thury (später Turi)

Geboren in Budapest, Ungarn
Gestorben am 11.05.1964 in Kaiserslautern
Spieler
Abwehrspieler und Trainer

, Quelle: Markwart Herzog, Alexander Thury – erster Nationalspieler im Dress des FCK und Trainer bis 1937 (Jüdische Mitglieder und Antisemitismus in der Geschichte des FCK: IV. Teil), in: In Teufels Namen: Stadionmagazin 1. FC Kaiserslautern, Saison 2012/13, Juni–August, Nr. 4, 56f.Alexander Thury entstammte einer evangelisch-reformierten Familie, nahm aber 1919 anläßlich seiner Hochzeit die Religion seiner jüdischen Ehefrau Katharina Szinai (geb. 1898 in Kispest/Ungarn) an. Nach der Machtergreifung der NSDAP 1933 konvertierte er mit seinem Sohn Eugen (geb. 1920 in Kispest) zum evangelischen Glauben zurück, seine Frau trat 1937 zur evangelisch-reformierten Kirche über.

In seiner ungarischen Heimat war Alexander Thury für Kispest Athletic Club, dem späteren Verein Honved Budapest, als Abwehrspieler aktiv und vor 1920 mehrfach in die ungarische Nationalmannschaft berufen worden, ist aber nicht zum Einsatz gekommen. Er war von Beruf Maschinenschlosser und Feinmechanikermeister. Von Kispest zog Familie Thury 1921 für kurze Zeit nach Kaiserslautern. Wahrscheinlich wurde Alexander Thury von dem ungarischen Trainer Franz Konya auf den Betzenberg geholt, der von 1921 bis 1923 dort als erster Berufstrainer angestellt war. Es folgte 1922 eine kurze Zwischenstation in Stuttgart, wo Thury bei den Sportfreunden 1874 aktiv war. 1923 nahm er eine Stelle in einer Kassenschrankfabrik in Sulzbach/Saar an, während seine Frau Katharina ein Sportartikelgeschäft leitete.

Er spielte beim SV 05 Rot-Weiß Sulzbach, einem Sportverein, der damals durch die beiden Ungarn Eugen Mayer und Josef Mihalek verstärkt worden war. Der SV 05 errang 1925 die Blies-Pfalz-Kreismeisterschaft. Danach verließen die drei Ungarn den Verein.

Alexander Thury 2. von links, Quelle: Stadtarchiv Kaiserslautern1925 nach Kaiserslautern zurückgekehrt, arbeitete Thury bei der Nähmaschinenfabrik Pfaff und spielte wieder beim Fußballverein (FV) Kaiserslautern, einem Vorgängerverein des heutigen 1. FCK. Später trainierte er neben dem FVK verschiedene andere Fußballvereine in Kaiserslautern und Umgebung, darunter den Sport-Club Kaiserslautern, der 1920 aus einer Fusion der Fußball-Gesellschaft 1911 mit dem FC Weststern hervorgegangen war und den Allgemeinen Sportverein 1910 Winnweiler. Der Sport-Club (SC) Kaiserslautern wurde von den Behörden allgemein als politisch linkslastig eingestuft. Deshalb hatte der Turnverein 1861 Kaiserslautern im Jahr 1935 einen Zusammenschluss mit dem Sport-Club abgelehnt, obwohl solche Fusionen von den Nazis damals gern gesehen und gefördert wurden. Von Zusammenschlüssen erhoffte sich die NSDAP eine Kontrolle der im linken politischen Spektrum angesiedelten Vereine, um eine kommunistische Unterwanderung der Sportszene zu verhindern.

Da dem Sport-Club ein Fusionspartner fehlte und ihn die Behörden als Gefahr einstuften, wurde er im Jahr 1938 wegen „marxistischer Durchsetzung und politischer Unzuverlässigkeit der Mitglieder“ aufgelöst. Ob Alexander Thury im Frühjahr 1933 seine Trainerarbeit im SC aus politischen Gründen eingestellt hat, kann nur vermutet werden. In jedem Fall hatte er mit diesem Schritt eine Tätigkeit beendet, mit der er zwangsläufig die Aufmerksamkeit der neuen Machthaber erregen musste. In diesem Sinn wird man seine im selben Jahr vollzogene Rückkehr zum evangelischen Glauben interpretieren können.

Ein Schienbeinriss beendete 1929 seine Spielerkarriere. Thury besaß auch danach gute Kontakte zur FCK-Familie, so übernahm er noch einmal in der Saison 1936/37 das Training des FCK. 1939 ließ er sich als selbstständiger Nähmaschinenreparateur in München nieder und kehrte 1952 nach Kaiserslautern zurück, um bis 1960 wieder bei Pfaff zu arbeiten. Nach seiner Rückkehr ist er auch wieder in den FCK eingetreten. 1954 wird er in der Mitgliederzeitschrift „Rund um den Betzenberg“ als Clubmitglied aufgeführt.

Durch glückliche Umstände und sicher auch dank der ungarischen Staatsbürgerschaft der Eheleute Thury ist die Familie ohne existenzielle Gefährdung durch die Jahre 1933 bis 1945 gekommen.

Alexander Thury (nach seiner letzten Rückkehr nach Kaiserslautern unter dem Namen „Turi“ gemeldet) verstarb 1964 in Kaiserslautern, seine Frau im Jahr 1969.

Sein Sohn Eugen begann seine Fußballkarriere 1929 in einer FVK-Schülermannschaft zusammen mit dem fast gleichaltrigen Fritz Walter, die der aus Wien verpflichtete Trainer Hans Werner gegründet hatte. Bis kurz zuvor war Alexander Thury noch für das Training verantwortlich. Aus dieser Schülermannschaft sind einige der späteren Leistungsträger der „Roten Teufel vom Betzenberg“ hervorgegangen. Zu ihnen gehörten neben Fritz Walter unter anderem Werner Kohlmeyer und Werner Baßler sowie Richard Schneider, der mit zwei deutschen Fußballmeisterschaften erfolgreichste Trainer des FCK.

Autor: Martin Klemenz

Literaturverweise
Markwart Herzog, Alexander Thury – erster Nationalspieler im Dress des FCK und Trainer bis 1937 (Jüdische Mitglieder und Antisemitismus in der Geschichte des FCK: IV. Teil), in: In Teufels Namen: Stadionmagazin 1. FC Kaiserslautern, Saison 2012/13, Juni–August, Nr. 4, 56f.
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