
Quelle: Evelina BrinnitzerRichard Brinnitzer war einer der wichtigsten Fußballpioniere Schlesiens. Seit 1903 spielte er in der ersten Fußballmannschaft von Preußen Breslau sowie in der Breslauer Stadtauswahl. Nach Ende seiner aktiven Karriere wurde er Vorsitzender des DFB-Gaues Breslau. Im Ersten Weltkrieg diente Brinnitzer als Frontsoldat im Infanterie-Regiment 41 und wurde mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet. Am 10.08.1920 heiratete er Alice Laband. In der Zwischenkriegszeit war er Mitglied im Stadtausschuss für Jugendpflege und sportlicher Leiter der 3. Deutschen Kampfspiele 1930 in Breslau. Die Idee der Kampfspiele stammte aus der Kaiserzeit, wurde jedoch 1922 das erste Mal realisiert. 1920 und 1924 war Deutschland von den Olympischen Spielen ausgeschlossen, weshalb die Kampfspiele als nationalistische Alternative zu den auf das Prinzip der Völkerverständigung ausgerichteten Olympischen Spielen dienten. 1930 – Deutschland durfte zwischenzeitlich wieder an den Olympischen Spielen teilnehmen – nahmen die Kampfspiele eine eher untergeordnete Rolle ein; unter den Nationalsozialisten dienten sie dann der NS-Propaganda und der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 1936 in Berlin.
Brinnitzer war außerdem Schiedsrichter verschiedener Endrundenspiele um die DFB-Meisterschaft und Vorstandsmitglied der Vereinigten Breslauer Sportfreunde, einem Nachfolgeverein von Preußen Breslau. Dieser Verein war in den 1920er Jahren Serienmeister in Schlesien und stand zweimal im Viertelfinale in der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft.
Als im April 1933 Personen jüdischen Glaubens aus ihren Ämtern im organisierten Sport gedrängt wurden, trat Brinnitzer von seinen Ämtern zurück. Aufgrund seiner deutsch-nationalen Einstellung, die bei jüdischen Veteranen des 1. Weltkrieges verbreitet war, erhoffte er sich zunächst weiteren Repressalien zu entgehen. Diese Haltung geht aus einem Briefwechsel mit dem späteren Gründer der Sporthochschule Köln, Carl Diem, hervor. Diesen hatte er im Hinblick auf ein mögliches Treffen mit Reichssportkommissar von Tschammer und Osten um Rat gebeten.
Quelle: Evelina BrinnitzerSeit 1933 engagierte sich Brinnitzer im jüdischen Sportbund Schild, der aus dem Reichsbund jüdischer Frontsoldaten hervorging. Er wurde dort Reichsobmann für Handball sowie Landessportleiter in Niederschlesien. Beide Ämter übte er bis zum Januar 1938 aus.
Sein weiteres Schicksal wurde erst bekannt, als seine in Argentinien lebende Enkelin Evelina Brinnitzer, die selbst als Sportlehrerin arbeitet, das Deutsche Fußballmuseum mit neuen Informationen und Bildern kontaktierte.
Das Textilgeschäft der Familie Brinnitzer in der Reuschestraße 16-17 wurde am 04.10.1938 arisiert und von Oskar Thiel und Erich Franke übernommen. Vermutlich wurde Brinnitzer in der Reichspogromnacht am 09.11.1938 oder in den folgenden Tagen verhaftet, die Umstände seiner Festnahme sind nicht bekannt. Bis zum 02.12.1938 war er Gefangener im Konzentrationslager Buchenwald. 1939 floh das Ehepaar Brinnitzer mit den drei Kindern Charlotte, Ernst und Renate an Bord der S.S. Copiapo nach Bolivien. Zunächst lebte die Familie in Quillacollo, später zogen sie nach Cochabamba. Dort arbeitete Brinnitzer in einer Schuhfabrik. Im Alter von 61 Jahren starb er an einem Herzinfarkt. Seine Familie wanderte kurze Zeit später nach Argentinien aus. Alice Brinnitzer stand in den folgenden Jahren erneut mit Carl Diem in Kontakt. Dieser unterstützte sie dabei ihren Anspruch auf eine Witwenrente durchzusetzen.