Hans Josephson als Soldat, Quelle: Heiko Meuser

Hans Josephson / Jansen

Geboren am 20.04.1883 in Hamburg
Gestorben am 12.05.1945 in KZ Theresienstadt
Ermordet im Holocaust

Hans Josephson begann ab 1896 in der Rostocker Großen Stadtschule den Weg zum Abitur. Seine Freizeit verbrachte er zusammen mit einigen Mitschülern beim damals in Mode kommenden Fußballspiel. Dabei begann er für den "Rostocker Fußball-Club" auch eine Chronik zu schreiben, in der er bis 1901 das sportliche und gesellschaftliche Vereinsleben dokumentierte.

Um die Ernsthaftigkeit des Spielens im Club auszudrücken, nahm er dabei Anleihen aus dem Vokabular der Studentenverbindungen und vermischte sie mit englischen Fachausdrücken. Was es mit den Goals in einem Match mit Half-Time auf sich hatte und warum beim anschliessenden Kommers die Bierreden mit einem Silentium! eingeleitet wurden, erschloss sich nur den Eingeweihten. Hans Josephson ermöglichte uns mit seinen Aufzeichnungen einen Einblick in die Welt dieser jugendlichen Protagonisten. So berichtet er 1899 auch vom ersten "Wett-Spiel" gegen den "Internationalen Fußball-Club Rostock", der zum langjährigen Ortsrivalen wurde.

Nach dem 1902 bestandenen Abitur schrieb sich Hans Josephson an der Rostocker Universität in Mathematik und leistete parallel dazu seinen freiwilligen Militärdienst ab. Danach studierte er in München und Göttingen auf Lehramt, legte 1906 das Staatsexamen ab und promovierte. 1907 beschloß die Familie, ihren Namen von Josephson in Jansen zu ändern. Hans Jansen wurde Oberlehrer in Hildburghausen und gehörte ab 1910 der "Mathematischen Gesellschaft Hamburg" an. Aus der 1912 geschlossenen Ehe erwuchsen ihm und seiner Frau Frieda die beiden Kinder Inge und Klaus. Im Ersten Weltkrieg wurde Hans Jansen verwundet und ausgezeichnet. Nach Kriegsende trat er dem nationalkonservativen Bund der Frontsoldaten "Stahlhelm" bei. Anschließend unterrichtete er als Studienrat am "Königin-Luisen-Gymnasium" in Wilhelmshaven.

Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme versetzte man ihn aufgrund seiner jüdischen Herkunft zum 01.10.1933 in den Ruhestand. Mit seiner Familie zog er 1936 wieder nach Göttingen. Die Ehe mit einer Nichtjüdin verschonte ihn zunächst von den Deportationen. Seine Mutter Sophie Rahel entzog sich dem angekündigten Abtransport am 17.07.1942 in ihrer Hamburger Wohnung durch Suizid. Ab November 1944 musste Hans Jansen in Göttingen Zwangsarbeit verrichten. Am 21.02.1945 wurde er in das Konzentrationslager Theresienstadt gebracht, wo er wenige Tage nach der Befreiung durch die Rote Armee am 12.05.1945 verstarb.

Autor: Heiko Meuser

Literaturverweise
Meuser, Heiko: Englische Fußlümmelei in Rostock - Hans-Josephson aus Hamburg war der erste Chronist des Fußballclubs an der Warnow. Mecklenburg Magazin, Schwerin-12.08.2013, S. 26.
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