Quelle: Heiko Meuser

Paul Bernhard

Geboren am 6.8.33. in Dargun
Gestorben am 11.1.1974 in Santiago de Chile
Spieler, Funktionär

Paul Bernhard begann seine Fußballerkarriere im Herbst 1901 beim Rostocker Schüler-Fußball-Club “Victoria” am Gymnasium Große Stadtschule. Nach dem Abitur studierte er ab 1902 Jura zunächst in Rostock und ging dann für je zwei Semster nach München und Berlin. Ab Oktober 1905 war er wieder in Rostock eingeschrieben und spielte nun für den "Internationalen Fußball-Club Rostock" neben Fußball auch Tennis und war als Leichtathlet aktiv.

Mit der Delegierung als Vereinsvertreter beim "Mecklenburgischen Fußball-Bund" begann 1906 seine jahrzehntelange Funktionärstätigkeit für den IFC und dessen Nachfolgevereine. Paul Bernhard engagierte sich als Schiedsrichter, Verbandsdelegierter, Schriftführer, Kassenwart, Vereinsvorsitzender und Leiter der Leichtathletikabteilung. 1913 gehörten er und zwei weitere Rostocker zu den 18 Sportlern, die in Berlin erstmals das Deutsche Sportabzeichen in Bronze überreicht bekamen.

Seit 1912 arbeitete Paul Bernhard als Rechtsanwalt und Notar. 1914 heiratete er seine zum Judentum konvertierte Frau Irma, mit der er drei Söhne bekam. Er verpflichtete sich als Freiwilliger in den 1. Weltkrieg, aus dem er mit verschiedenen Auszeichnungen zurückkehrte und der ihn zur Mitarbeit im Reichsbund jüdischer Frontsoldaten bewog. Als Mitbegründer der Rostocker Ortsgruppe der linksliberalen Deutschen Demokratischen Partei kandidierte er für die Stadtverordnetenversammlung.

Für seine Verdienste auf sportlichem Gebiet zeichnte ihn der "Rostocker Sport-Verein von 1899" um 1930 mit der Ernennung zum Ehrenvorsitzenden aus. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 war für ihn eine Teilnahme am Vereinsleben nicht weiter möglich. Die immer weiter fortschreitende berufliche und soziale Ausgrenzung bis hin zur Verhängung von "Schutzhaft" 1938 zwang ihn und seine Familie ins Exil nach Chile, wo sie ihren Lebensunterhalt in der Landwirtschaft bestritten.

Autor: Heiko Meuser

Literaturverweise
Max-Samuel-Haus: 100 jüdische Persönlichkeiten aus Mecklenburg-Vorpommern, Rostock 2003. Meuser, Heiko: Als Vereinsfarbe wählte man Schwarz und Gelb - der Internationale Fußball-Club Rostock von 1899 bis 1913. Rostocker Zorenappels Nr. 14, Rostock 2020.
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