Siegfried Rosenbusch

Geboren am 23. April 1904 in Mainz, Deutschland
Sterbedaten unbekannt
Ermordet im Holocaust
Spieler
Spieler & Trainer der 3. + 4. Mannschaft, Vorsitzender des Vergnügungsausschuß

Siegfried Rosenbusch war in vielen Bereichen des Vereins aktiv und darüber hinaus sehr beliebt. Er war Spieler und Trainer in der 3. sowie 4. Mannschaft des 1. Mainzer Fußball- und Sportverein 05 e. V. und ab 1931 im Vorstand tätig. Im Vergnügungsausschuss war er dessen Vorsitzender. Sissi, wie er liebevoll genannt wurde, war ein gewiefter Redner und stand bei zahlreichen Vereinsveranstaltungen auf der Bühne. Dieses Talent lag ihm besonders, denn neben seinem Engagement bei Nullfünf war Siegfried ein begeisterter und leidenschaftlicher Fastnachter, der später mehrfach als großes Vorbild für Mainzer Fastnachtslegenden beschrieben wird.

Siegfried „Sissi“ Rosenbusch war ein liebenswerter Kerl, von allen im Verein gemocht und überall beliebt. Es gibt einige herzliche und amüsante Anekdoten, die in verschiedenen Quellen überliefert sind. 1930 erhielt er anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des Vereins die Ehrennadel. Es ist sehr wahrscheinlich, dass er bis zum Ausschluss der jüdischen Vereinsmitglieder Mitglied im Verein war.

Über sein Leben ist leider nur wenig bekannt. Geboren wurde er am 23. April 1904 in Mainz. Seine Mutter bekam im folgenden Jahr einen weiteren Sohn, Albert. Über den Vater ist nichts bekannt, dieser taucht in keinerlei Quellen auf. Die kleine Familie hatte in den ersten Jahren keine einfache Zeit - zahlreiche Berufswechsel der Mutter sowie ständige Wohnortwechsel lassen darauf schließen. Ab 1915 wohnte die Familie schließlich in der Emmeransstraße 10 – nur unweit des Café Neuf, dem Gründungsort des 1. Mainzer Fußballclubs Hassia 05, einem der Vorgängervereine des heutigen 1. FSV Mainz 05. Vielleicht ist er dadurch erstmals mit dem Verein in Berührung gekommen…

Siegfried erlernte den Beruf des Küfers. Später war er bei der Sektkellerei Schönberger angestellt, die in Deutschland und darüber hinaus einen hervorragenden Ruf genoss und Geschäftsbeziehungen in die ganze Welt unterhielt.

Nach dem Ausschluss der jüdischen Sportler im Sommer 1933 organisierte sich der jüdische Sport schnell neu. Zwar war es Jüdinnen und Juden untersagt, in deutschen Vereinen aktiv zu sein, doch durften sie in den folgenden Jahren trotzdem noch Sport treiben. In Mainz war das die Sportgruppe des „Reichsbund jüdischer Frontsoldaten“. Siegfried Rosenbusch war dort engagiert. Er trat wie schon beim 1. Mainzer Fußball- und Sportverein 05 e. V. als Trainer auf und leitete die Fußballmannschaft, die ab Herbst 1933 regelmäßig gegen andere Teams aus dem Rhein-Main-Gebiet antrat. Wie lange er Trainer dieser Gruppe war, ist nicht bekannt.

Leider gibt es für die folgenden Jahre erneut nur wenige Hinweise auf das Leben von Siegfried und seiner Familie. Eine Anekdote, die von Jakob Wucher, einem bekannten Mainzer Fastnachter, überliefert wurde, lautet: „Ich hab ihn noch erlebt, da hatte er seinen Judenstern an, da hat er bei einem Bauunternehmer zwangsweise gearbeitet. Dazu waren Juden verpflichtet. Ich traf ihn mal am Bahnhof, und da sagte ich: ‚Sissi, wie?‘ Wir waren ja gute Freunde. Und er antwortete: ‚Jakob, tu dir selber den Gefallen und geh fort!‘ Ich sagte: ‚Sissi, ich will dir was sagen: Du kannst abends, wenn es dunkel ist, jederzeit zu mir zum Essen kommen.‘ Wir haben ihn so durchgefüttert, so lange das ging. Der Sissi Rosenbusch, ach Gott, was war das für ein goldiger Kerl.“

In der Reichspogromnacht am 09. November 1938 wurden in Mainz Gebäude und Geschäfte zerstört und geplündert. Auch die Synagoge wurde in Brand gesetzt und brannte in weiten Teilen nieder. Wenige Tage später wurden die Reste der abgebrannten Synagoge gesprengt. Siegfried Rosenbusch war gemeinsam mit seinem Bruder Albert einer von 15 Aufräumhelfern, die abkommandiert wurden, um Schäden zu beseitigen und die Gegend um das Gelände zu bereinigen.

Ihren Wohnsitz in der Emmeransstraße 10, in dem noch immer Mutter, Bruder mit Frau sowie Siegfried gemeldet waren, mussten sie in den folgenden Jahren aufgeben. Siegfried, Albert und Frau Erna wohnten bis zu ihrer Abholung durch die Gestapo am 19. März 1942 in einem Judenhaus in Mainz. Sie wurden zunächst nach Darmstadt gebracht und von dort aus nach Piaski deportiert. Mutter Therese wird wenige Monate später nach Theressienstadt deportiert, wo sie stirbt.

Wer mehr über die Biografie von Siegfried Rosenbusch erfahren möchte, dem empfehlen wir einen Blick in das Magazin „…vergessene Nullfünfer“. Weitere Informationen zum Magazin finden Sie unter www.es-war-einmal-fanzine.de.

Autor: Nils Friedrich | "Es war einmal... Fanzine"

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