
1925 ist für den 1. Mainzer Fußball- und Sportverein 05 e. V. ein besonderes Jahr. Im Sommer wird mit einem großen Festprogramm das zwanzigste Vereinsjubiläum gefeiert. Mit Holstein Kiel und dem FC Bayern kommen zwei sportliche Schwergewichte ans Fort Bingen, und begleitend zu den Feiertagen gibt der Verein eine Festschrift heraus, in der die bis dahin noch kurze Geschichte reich beschrieben wird. Das Heft endet mit einigen Seiten, die voll sind von Anzeigen örtlicher Geschäfte. Eine dieser Anzeigen ist die für das „Spezialhaus für Wäsche und Ausstattung“. Inhaber ist Julius Stein, ein jüdischer Mainzer, der am 20. April 1883 in Dotzheim zur Welt kommt. Julius entstammt einer in Dotzheim (heute ein Stadtteil von Wiesbaden) sehr verwurzelten Familie; trotzdem ist über Kindheit und Jugend kaum etwas bekannt.
Um das Jahr 1909 wagt Julius den Sprung über den Rhein und wird in Mainz heimisch. Im selben Jahr ist er erstmals in den Adressbüchern der Stadt Mainz zu finden. Ebenso wird in diesem Jahr sein Sohn Paul geboren. Wann, wo und unter welchen Umständen er seine erste Frau Caecillia Kallmann kennenlernte, ist nicht bekannt. Sie stirbt bereits im Jahr 1912.
Während des Ersten Weltkriegs wird Julius zum Militär eingezogen und dient für das Deutsche Reich. Nach der Rückkehr lernt er Rosalie kennen, die er im Juli 1919 in Rüdesheim heiratet. Mit ihr bekommt er einen weiteren Sohn, der 1920 das Licht der Welt erblickt.
Julius ist gelernter Kaufmann und übernimmt Anfang der Zwanzigerjahre ein Wäschegeschäft, das er für viele Jahre erfolgreich führt. Wahrscheinlich existierte das Unternehmen bis ca. 1937.
Nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten änderte sich auch das Leben der Steins. Lange Zeit versprühte Julius Stein Optimismus, dass die Nationalsozialisten sich mit ihrem Wirken nicht durchsetzen können und der immer steigende Terror sowie die Ausgrenzung bald ein Ende haben wird. Eine Auswanderung und Flucht aus Deutschland waren für ihn und seine Frau lange Zeit keine Alternative. Dies änderte sich erst 1939, als auch die letzte Hoffnung verschwunden war und Ausgrenzung sowie Repression einen erneuten Höhepunkt erlangten. Negativer Höhepunkt für die Familie war die Reichspogromnacht, in der auch die Räumlichkeiten der Familie Stein gestürmt und verwüstet wurden.
Die beiden Söhne waren zu diesem Zeitpunkt bereits in Richtung USA aufgebrochen und dort angekommen. Julius Stein sowie Frau Rosalie folgten den beiden. Zwischenzeitlich verbrachten beide in Großbritannien einige Wochen in einem Internierungslager, bevor sie mit dem Schiff in die USA weiterreisen durften. Dort kommen beide am 27. März 1940 an. Nach der Ankunft bemüht er sich zeitnah um die amerikanische Staatsbürgerschaft, die er einige Zeit später auch erhält. In New York ist die Familie wieder mit den beiden Söhnen vereint. Sie teilen sich zeitweise eine Wohnung.
In New York überlebt Julius die Shoah. Er stirbt jedoch bereits am 10. April 1947 in seiner Wahlheimat an einem plötzlichen, schweren Herzleiden.
Wer mehr über die Biografie von Julius Stein erfahren möchte, dem empfehlen wir einen Blick in das Magazin „…vergessene Nullfünfer“. Weitere Informationen zum Magazin finden Sie unter www.es-war-einmal-fanzine.de.