Das Deutsche Fußballmuseum ist ein zentraler Gedenk- und Erinnerungsort im deutschen Fußball. Dies gilt insbesondere in Erinnerung an die vielen tausend Fußballer, Trainer und Funktionäre jüdischer Herkunft, die ab 1933 aus ihren Klubs ausgeschlossen, verfolgt und ermordet sowie zugleich auch aus dem kollektiven Fußballgedächtnis ausgelöscht wurden.
Seit seiner Eröffnung im Jahr 2015 setzt sich das Deutsche Fußballmuseum mit diesem Thema in einem eigenen Bereich in seiner Dauerausstellung auseinander. Dieser Raum wurde 2025, als einer der ersten Bereiche überhaupt im Museum, grundlegend neugestaltet und noch einmal deutlich aufgewertet. Darüber hinaus hat das Museum zahlreiche Ausstellungs- und Bildungsprojekte in diesem Kontext durchgeführt. Auch das hauseigene Kulturprogramm ANSTOSS setzt sich immer wieder in unterschiedlichsten Veranstaltungen mit Themen der Erinnerungskultur und Aufarbeitung auseinander und setzt wichtige Ausrufezeichen gegen Antisemitismus und Rassismus und für Vielfalt und Toleranz.
Bis 1933 waren Menschen jüdischer Herkunft ein wichtiger und selbstverständlicher Teil der deutschen Fußballkultur. Juden waren entscheidend daran beteiligt, Deutschland bereits in diesen Jahren zu einer großen Fußball-Nation zu formen. Der Fußballpionier und kicker-Gründer Walther Bensemann, die beiden Nationalspieler Julius Hirsch und Gottfried Fuchs oder der FC-Bayern-Präsident Kurt Landauer stehen beispielhaft für den immensen Beitrag jüdischer Fußballpersönlichkeiten zur Entwicklung des Fußballs in Deutschlands.
Nur wenige Monate nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 begannen die Sportvereine in eigener Verantwortung - ohne Zwang durch die NS-Behörden - mit dem massenweisen Ausschluss ihrer jüdischen Mitglieder. Dies bedeutete meist einen ersten konkreten Schritt der Ausgrenzung und Diskriminierung der jüdischen Bevölkerung, der letztlich in ihrer Ermordung in den Konzentrationslagern mündete.
Nach 1945 gab es unter den Überlebenden nur wenige Rückkehrer, die längerfristig im Land der Täter bleiben wollten. Die Menschen, ihre Verdienste und ihre Schicksale fanden keine Würdigung und keinen Platz im kollektiven Gedächtnis der Bundesrepublik. Erst zu Beginn dieses Jahrhunderts fanden ihre Geschichten wieder vermehrt Aufmerksamkeit, vorangetrieben durch eine neue Generation junger Fußballfans.
Vor diesem Hintergrund ist das Online-Lexikon „Niemals Vergessen” entstanden, das die Lebensgeschichten verfolgter und heute häufig vergessener jüdischer Fußballer zusammenträgt. Das Online-Lexikon wurde 2021 ins Leben gerufen und präsentiert nach dem aktuellen Recherchestand (September 2026) über 400 Biografien jüdischer Kicker aus ca. 80 Vereinen. Die Biografien werden dabei von Engagierten aus ganz Deutschland recherchiert und geschrieben – und dann auf dieser zentralen Gedenkplattform zusammengetragen. Durch dieses Projekt sollen Fußballfans auf neue Weise für Themen der Ausgrenzung und Verfolgung sensibilisiert werden, da sich diese auch unmittelbar im Umfeld ihrer Lieblingsvereine abspielten. Außerdem sollen Interessierte ermutigt werden, in ihrem Umfeld weitere Lebensgeschichten zu erforschen und das Lexikon damit ständig zu erweitern.
Seit 2026 ist das Lexikon fester Bestandteil der Dauerausstellung und für die Besucherinnen und Besucher auch hier durchsuchbar.
Im Jahr 2026 hat das Deutsche Fußballmuseum in Zusammenarbeit mit dem Holocaust Museum Los Angeles die Sonderausstellung „The Beautiful Game. The Untold Story“ kuratiert. Diese Ausstellung wurde am 12. Juni 2026 während der Fußball-WM zur Eröffnung des Neubaus des Holocaust Museums eröffnet. Hierbei handelt es sich um die bislang größte und vielseitigste Ausstellung weltweit, die mit rund 100 Objekten aus drei Kontinenten die Geschichte der Juden für die Entwicklung des gesamten Weltfußballs aufarbeitet.
Im Rahmen dieser Ausstellung ist auch ein weiteres Online-Lexikon entstanden, das Geschichten verfolgter jüdischer Fußballer aus aller Welt dokumentiert. Es umfasst aktuell 150 Lebensgeschichten aus gut 60 Ländern - und ist ebenfalls dazu angelegt, ein zentrales Andenken für die Erinnerung an verfolgte jüdische Fußballer aus aller Welt zu erschaffen.
Das Fußballmuseum bietet regelmäßig Veranstaltungen und Programme an, die sich gegen das Vergessen jüdischer Schicksale und für ein tolerantes Miteinander einsetzen. So feierte der jüdische Sportverband Makkabi 2021 im Deutschen Fußballmuseum sein 100-jähriges Bestehen. Auf dem Vorplatz des Museums würdigte die Ausstellung „Zwischen Erfolg und Verfolgung" 2026 bereits zum zweiten Mal jüdische Sportlerinnen und Sportler. Hier findet ihr unser Kulturprogramm ANSTOSS
Mit Voices of the Pitch ist ein Social-Media-Account entstanden, auf dem Initiativen gegen Antisemitismus und Ausgrenzung und für einen fairen und demokratischen Fußball präsentiert werden. Auf einer Social Wall werden die Inhalte des Accounts auch im Museum gezeigt.
Kennst Du Maßnahmen auch aus Deinem Verein? Folge @voicesofthepitch auf Instagram oder TikTok, um Dich zu informieren und zu engagieren! Die Inhalte der Social-Media Kanäle sind auf der Social Wall im Museum zu sehen und somit dauerhaft als digitales Ausstellungsstück verankert.