Quelle: AG Julius Hesse Bielefeld

Fritz Grünewald

Geboren am 17.02.1897
Ermordet im Holocaust
Funktionär
Erfolge:
  • Mitglied des Vorstandes
  • Träger der Goldenen Ehrennadel

Rückverleihung der Ehrennadel an Fritz Grünewald, Dezember 2003, Quelle: AG Julius Hesse BielefeldFritz Grünewald wurde 17.2.1897 in Bielefeld geboren. Er heiratete am 4. 9. 1937 Betti Grünewald geb. Libowski, geboren am 28.9.1908. Sohn Rolf kam am 1.7.1938 zur Welt. Nach dem Tod seines Vaters übernahm der Schlachtermeister Fritz Grünewald gemeinsam mit seinem älteren Bruder Albert Grünewald, Inhaber des Bekleidungsgeschäfts „Grünewald & Heymann“, den Pferdehandel und die Rossschlächterei in der Gütersloher Str. 72 in Bielefeld mit Filialen in der Ziegelstraße und im Stadtteil Schildesche.

Fritz Grünewald war ein wichtiger Mäzen von Arminia Bielefeld und Mitglied des Vorstandes. Für seine großen Verdienste wurde er vom Verein zunächst mit der goldenen Ehrennadel ausgezeichnet. Nach seinem Ausschluss aus dem Verein wurde ihm diese Ehre jedoch wieder aberkannt, der Verein verbot ihm sogar den Besuch des Stadions.

Fritz Grünewald und Betti Grünewald wurden zusammen mit ihrem dreijährigen Sohn Rolf am 31.3.1942 „nach Osten“, so die verschleiernde Notiz in der Einwohnermeldekartei der Stadt Bielefeld, genauer formuliert, nach Warschau deportiert. Fritz Grünewald soll in Warschau, seine Frau in Auschwitz und Sohn Rolf in Riga umgekommen sein (amtliche Todeserklärungen für Fritz G. 8.5.1945, für Betti G. und Rolf G. 31.12.1945), möglicherweise auch an anderen Vernichtungsorten in Osteuropa.

Eine bedeutsame Quelle in Hinblick auf das Leben von Fritz Grünewald und seiner Familie stellen die „Lebenserinnerungen“ des Helmut Grünewald dar. Helmut Grünewald war ein Sohn des Bruders Albert Grünewald und somit ein Neffe Fritz Grünewalds. Seine Erinnerungen wurden erstmals 2001 im Heft „Erzählt es Euren Kindern“ publiziert. Ferner erschien im Buch „Heimweh nach Bielefeld?“, herausgegeben von Brigitte Decker, ein maschinenschriftlicher Brief, den Helmut Grünewald am 15.10.2002 verfasst und an die „Friedensgruppe der Altstädter Nicolaigemeinde“ gesandt hatte.

Dass Fritz Grünewald als „langjähriges Vorstandsmitglied beim DSC Arminia mit  goldener Ehrennadel“ und als großzügiger Mäzen fungierte, teilte Helmut Grünewald im zuletzt genannten Dokument mit. Hier erklärte er auch, dass Fritz Grünewald „bereits in den frühen dreißiger Jahren des Platzes verwiesen“ wurde, ihm also ein Stadionverbot erteilt wurde.

Es ist davon auszugehen, dass er bereits 1933 die Mitteilung erhielt, im DSC Arminia nicht mehr „erwünscht“ zu sein und faktisch aus dem Verein ausgeschlossen wurde. Seine Ehrennadel musste er zurückgeben. Schriftliche Quellen liegen über diesen Sachverhalt nicht vor. Der Zeitzeuge und „Alt-Armine“ Heinz Eckmann bestätigte 2003 die Darstellung. Er bezeichnete Fritz Grünewald zudem als „sehr angesehenes und verdienstvolles Vereinsmitglied.“

Auf Initiative der „Friedensgruppe der Altstädter Nicolaigemeinde“ im Rahmen der Arbeit für die Initiative zur Errichtung des Mahnmals „Jede Ermordete, jeder Ermordete hat einen Namen“ wurde der Vorstand des DSC Arminia im Hinblick auf den Leidensweg des Fritz Grünewald angeschrieben.
Der damalige Präsident Hans-Hermann Schwick, der Vorstand und der Ehrenrat reagierten umgehend. Die Ehrennadel wurde posthum am 8. Dezember 2003 während der Jahreshauptversammlung des Vereins an Fritz Grünewald zurück verliehen. Beide Neffen, Helmut Grünewald und Jonathan Kinarty, bedankten sich für diesen symbolischen Akt, konnten aber zu der Feierlichkeit nicht erscheinen.

Fritz Grünewald wird in der Geschichte des DSC Arminia erstmals 2005 im Buch „100 Jahre Leidenschaft“ erwähnt. An Fritz Grünewald, seine Frau Jenni und den Sohn Rolf erinnern seit dem 6. Mai 2015 an der Arthur-Ladebeck-Str. 60, ehemals Gütersloher Str. 72, Geschäftsbetrieb und Wohnung der Familie, drei Stolpersteine, die im Beisein des Präsidenten Arminia Bielefelds, Hans-Jürgen Laufer, feierlich verlegt wurden.

Die Bielefelder Fan AG, ein Zusammenschluss der Bielefelder Faninstitutionen (Arminia Supporters Club, Fanclub Dachverband, DSC Fanbetreuung und Fan-Projekt Bielefeld) übernahmen die Patenschaft für die Stolpersteine.

Autor: Friedhelm Schäffer

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