Einweihung der neuen Synagoge in der Basteigasse 4 in Kaiserslautern am 24.09.1965. Unter der Chuppa links steht Erich Weiler (mit den verschränkten Händen)., Quelle: Jüdische Kultusgemeinde Kaiserslautern

Erich Artur Weiler

Geboren am 19.03.1915 in Kaiserslautern, Deutschland
Gestorben am 16.09.1995 in Kaiserslautern
Mitglied
Jugend-Torwart

Kaufhaus von Fritz und Jenny Weiler in der Fackelstraße 1 (um 1930), Quelle: Jüdische Kultusgemeinde KaiserslauternErich Weiler, dessen korpulente Figur ihm den Spitznamen „Mops“ eintrug, machte nach der Schule eine Kaufmannslehre und war Jugendspieler beim Fußballverein (FV) Kaiserslautern, einem Vorgängerverein des heutigen 1. FCK als Torwart.

Sein Vater war Inhaber eines Geschäftes für „Textil- und Kurzwaren, Groß- und Kleinverkauf“ in der Fackelstraße 1 in Kaiserslautern. Fritz Walter ging als Jugendlicher bei Familie Weiler ein und aus. Er und Erich kickten auf dem Hinterhof mit Blechdosen.

Nach 1933 gab es bei den Weilers innerfamiliäre Spannungen, weil Erich von seinem Vater angehalten wurde, mit dem Fußball aufzuhören, wenn man auf dem Betzenberg den „Deutschen Gruß“ einführen sollte. Der vor dem Spiel schweigend inszenierte „Deutsche Gruß“, der durch das ausgestreckte Heben des rechten Arms symbolisiert ist und das dreifache „Sieg Heil“ nach dem Spiel wurden Anfang Oktober 1933 in einer amtlichen Bekanntmachung im DFB vorgeschrieben. Diese Grußformeln waren für einen gläubigen Juden jedoch völlig inakzeptabel, implizieren sie doch die Vorstellung von Hitler als Heilsbringer. Diese Symbolik unterstützt die rassistische Volksgemeinschaftsideologie der NSDAP, in der jüdischen Bürgern ein Daseinsrecht abgesprochen wurde. Trotzdem brachte Erich für die Forderung seines Vaters kein Verständnis auf, denn „Fußball war sein Leben“.

Familie Weiler emigrierte 1935 zunächst in die Niederlande, laut Meldebehörde an einen unbekannten Ort. Hinter der Flucht stand die Weitsicht seiner Mutter Jenny, die Adolf Hitlers Buch „Mein Kampf“ gelesen hatte und daraufhin Böses ahnte. Sie konnte sich in der Familie gegen die Beschwichtigungen ihres Ehemanns, der Weltkriegsteilnehmer war und sich dadurch geschützt fühlte, behaupten und die Emigration der Familie durchsetzen.

Erich wurde in den Niederlanden auf ein landwirtschaftliches Hachschara-Lehrgut der Hechaluz-Bewegung vermittelt. Als Hachschara wurde die systematische Vorbereitung von Juden auf die Alija bezeichnet, die Besiedlung Palästinas vor allem in den 1920er und 1930er Jahren. Getragen und propagiert wurde sie von der jüdischen Jugendbewegung, vor allem von den beiden Dachverbänden Hechaluz und Bachad. Eine Gruppe von Auswanderungswilligen lernte auf landwirtschaftlichen Gütern gemeinsam, was für den Aufbau eines Gemeinwesens in Palästina notwendig erschien, vor allem gärtnerische, land- und hauswirtschaftliche sowie handwerkliche Fertigkeiten und Iwrit, das moderne Hebräisch. Dazu gehörte auch, die jüdischen Feste zu feiern, jüdische Geschichte und Literatur kennenzulernen.

Seine Mutter sammelte dann die Familie in Frankreich, um nach Palästina auszuwandern.

In Tel Aviv arbeitet Erich als Fotograf. Dort lernte er die polnische Emigrantin Selma Werdinger (geb. am 23. Februar 1919 in Drohobycz/Polen) kennen, die er am 02. Dezember 1945 in Tel Aviv heiratet. 1953 kam ihre Tochter Orna zur Welt.

Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg schrieb Erich Weiler eine Postkarte an Fritz Walter, um mit dem alten Sportkameraden wieder Kontakt aufzunehmen. Freundschaftliche Kontakte zwischen ihm und dem 1. FCK und dessen Spielern nach 1945 waren offensichtlich selbstverständlich. Als Familie Weiler im Mai 1957 aus Tel Aviv nach Kaiserslautern zurückkehrte, war Fritz Walter ihr in vielen Belangen behilflich. So hat er ihnen eine Wohnung im Haus von Weltmeister Werner Liebrich in der Eisenbahnstr. 48 vermittelt.

Erich Weiler engagierte sich auch für das Wiederaufleben des jüdischen Lebens in Kaiserslautern. So förderte er die Einrichtung der heutigen Synagoge in der Basteigasse als treibende Kraft und bekleidete das Amt des Gemeindevorstehers. Er stirbt am 17. September 1995 in Kaiserslautern und hat heute sein Grab auf dem jüdischen Friedhof in Mannheim, dem Wohnort seiner Tochter.

Autor: Martin Klemenz

Literaturverweise
Markwart Herzog, Der "Betze" unterm Hakenkreuz, Der 1. FC Kaiserslautern in der Zeit des Nationalsozialismus, Verlag Die Werkstatt GmbH, Göttingen, 2006
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