
Henry Landmann wurde als Sohn des Pelzhändlers Joseph Landmann in Augsburg geboren und spielte in seiner Jugend beim SSV Schwaben Augsburg Fußball. Obwohl jüdische Mitglieder die Sportvereine ab dem Jahr 1933 systematisch verlassen mussten, erinnerte sich Henry Landmann, – der als Kind noch auf den deutschen Namen Heinz hörte und sich später in den USA in Henry umbenannt hatte – dass er noch eine Zeitlang in der Schüler-Elf trainieren durfte, nach einem antisemitischen Propagandaauftritts eines SA-Mannes aber aus eigenem Antrieb seine Mitgliedschaft beendete.
Er schloss sich anschließend dem jüdischen Sportverein "Private Tennisgesellschaft Augsburg" (PTGA) an. Dort galt er als Allroundsportler, spielte Tennis, Handball, Fußball und war als Leichtathlet im Weitsprung und als Läufer aktiv. Neben ihm waren auch seine Schwestern Johanna und Irma sowie die Eltern Joseph und Regina dem Verein beigetreten. Vater Joseph übernahm im Jahr 1937 den Vorsitz des Klubs und übte das Amt bis zur erzwungenen Auflösung 1938 aus.
Um den zunehmenden Repressalien des NS-Staats zu entkommen, bemühten sich die Landmanns schon früh um die Auswanderung in die USA. Dort lebten Verwandte der Familie, die für die Ausreise bürgten. Leicht wurde es den Ausreisewilligen aber nicht gemacht: Zusätzlich verlangte das US-Konsulat 5.000 Dollar. Doch obwohl er diesen Betrag zusammenbringen konnte, kam es zunächst nicht zur Ausreise. Am frühen Morgen der Reichskristallnacht am 10. November 1938 werden Joseph und der gerade erst 18 Jahre alt gewordene Henry Landmann von der Gestapo aus dem Haus geholt und ins Konzentrationslager in Dachau verfrachtet. Henry wird noch in der Nacht an eine Wand gestellt und erwartet seine Erschießung. Als dies nicht geschieht, begibt er sich langsam zurück zu den anderen wartenden Gefangenen.
Nach rund eineinhalb Wochen im KZ wurde Henrys Vater weggebracht. Wie er später herausfand geschah dies, weil Joseph Landmann als Vorsitzender der PTGA, die Konfiszierung des Vereinsbesitzes bestätigen sollte. Joseph kümmerte sich in Freiheit nun um die Freilassung seines Sohnes, die ihm letztlich auch gelingt: Da er nachweisen konnte, dass er bereits die Ausreisegenehmigung für seine Familie beantragt hatte, kommt auch Henry aus dem KZ frei.
Im Februar 1939 darf Joseph Landmann endlich in die USA ausreisen, muss seine Familie aber zunächst zurücklassen, bis er sich dort eine Existenz geschaffen hat. Henry ging zunächst nach England und durfte seinem Vater im November 1939 folgen. Seine Mutter und die beiden Schwestern kamen kurze Zeit später mit einem der letzten Schiffe in die USA, wo Vater Joseph in New York mit der Hilfe einiger Freunde eine Existenz nachweisen konnte.
Nachdem sich Henry mit seiner Familie in New York eingelebt hatte, wurde er am 27. Januar 1943 zur US-Army einberufen. Vier Monate später erhielt er die US-Staatsbürgerschaft und kehrte nach Europa zurück, um als US-Soldat gegen das Nazi-Regime zu kämpfen. Der Krieg führt ihn nach Italien und Frankreich und auch zurück nach Deutschland. Am 28. April 1945 schließt sich für ihn dann der Kreis, denn er betritt mit der 3. US-Infanterie-Division kurz vor der Kapitulation der Wehrmacht seine Heimatstadt Augsburg wieder, die er durch die Zerstörung kaum noch erkennt.
Nach dem Krieg kehrt er noch weitere Male nach Augsburg zurück, 2014 verstirbt er im Alter von 94 Jahren in New York. Einige Jahre zuvor, 2008, stellte er dem Jüdischen Museum Schwaben zahlreiche Dokumente für eine Ausstellung über jüdischen Sport in Augsburg zur Verfügung.