Fritz Rotter 1926 , Quelle: VfB Mitteilungen. Offizielles Monatsblatt des Vereins für Bewegungsspiele zu Leipzig 1927 Nr. 2

Fritz Egon Rotter

Geboren am 08.11.1901 in Leipzig, Deutschland
Gestorben am 16.12.1941 in Groß Rosen
Ermordet im Holocaust
Spieler
Obmann Jugendausschuss im VfB

Die 1. Ligamannschaft des VfB Leipzig 1921 mit Torhüter Fritz Rotter (sitzend), Quelle: Mitteldeutsche Sportzeitung, Leipzig 20. September 1921. Bibliothek Sportmuseum Leipzig.Fritz Rotter war der dritte von vier Söhnen des Rauchwarenhändlers Adolf Rotter in Leipzig. Alle Vier und der Vater waren Mitglied im VfB Leipzig. Fritz meldete sich beim dreifachen Deutschen Fußballmeister im März 1918 während seiner Lehrzeit an und wurde im Juli offiziell in die Gruppe der 16- und 17jährigen Mitglieder aufgenommen. Sein erster Spieleinsatz erfolgte bereits am 7. April 1918 in der II. Mannschaft der Jugendabteilung des VfB. Von da an war Fritz Rotter regelmäßig in der II. oder III. Jugendmannschaft eingesetzt, vorerst als Feldspieler. Am 19. Januar 1919 stand er zum ersten Mal im Tor für die I. Jugendmannschaft. Vom 6. bis 15. August 1920 nahm er an der süddeutsche Reise dieser Mannschaft teil. Es war die "erste große Jugendreise im deutschen Fußballsport", heißt es auf Seite 148 der VfB Mitteilungen 1920. Allmählich arbeitete sich Fritz Rotter zum Stammtorhüter bis in die 1. Ligamannschaft nach oben, wo er mit den VfB-Idolen Camillo Ugi, Edy Pendorf u. a. um Siege und Punkte kämpfte. Auch mit dieser Mannschaft konnte er auf längeren Reisen zu Gegnern nach Süd- und Westdeutschland sowie durch die Schweiz Erfahrungen sammeln, von denen später die Jugendlichen des Vereins profitieren konnten, wenn er sie auf ihren Reisen als Mannschaftsbetreuer begleitete. Mehr als 10 Jahre brachte er sich als Übungsleiter und Obmann der Jugendabteilung in die ehrenamtliche Arbeit des VfB ein, wofür er 1931 mit einem Diplom geehrt wurde.

Trotz der Wertschätzung, die ihm der VfB 15 Jahre lang entgegenbrachte, musste Fritz Rotter wie alle jüdischen Mitglieder den Verein im Zuge der Arisierung des deutschen Sports verlassen. Sein Engagement, vor allem das für die Jugend, führte er ab 1933/34 im Jüdischen Sportverein Bar Kochba fort - bis zu dessen Zwangsauflösung 1939.

Beruflich war er seit Anfang der 1920er Jahre als Geschäftsführer des 1903 vom Vater gegründeten Rauchwarengroßhandels tätig, der ebenfalls - wie alle jüdischen Unternehmen 1939 aufgelöst werden musste.

Die 1. Mannschaft des VfB Leipzig 1921 mit Torhüter Fritz Rotter (sitzend) , Quelle: Mitteldeutsche Sportzeitung, Leipzig 14. März 1922. Bibliothek Sportmuseum Leipzig.Am 7. November 1939 wurde Fritz Rotter verhaftet und ins Konzentrationslager nach Sachsenhausen deportiert, von wo er im Dezember wieder entlassen wurde. Unmittelbar danach, im Januar 1940, versuchte er aus Deutschland zu fliehen. Das Ziel seiner Flucht konnte noch nicht ermittelt werden, auch nicht Datum und Ort seiner erneuten Verhaftung. Belegt ist jedoch, dass er am 08. September 1941 mit einem Transport aus dem Lager Sachsenhausen nach Groß-Rosen kam. Dort erhielt er die Häftlings-Nr. 1177. Sein Bruder Josef kam wenige Tage später, am 17.9.1941 auf dem gleichen Weg nach Groß-Rosen und erhielt die Häftlingsnummer 1178. Mit diesen Nummern waren jüdische Häftlinge gekennzeichnet, die aus Sachsenhausen kamen. Zwischen den Transporten beider Brüder gab es also keine weiteren jüdischen Häftlinge. Am 16.12.1941 waren beide Rotter-Brüder von einer „Selektion“ betroffen, die kranken und jüdischen Menschen galt, um sie wegen Arbeitsunfähigkeit "auszusondern". Als Todesursache wurde für Fritz Rotter akuter Magen-Darmkatarrh und Kreislaufschwäche angegeben.

Im Jahr 2020 wurde für die Familie Rotter am Ort des einstigen Geschäftes in Leipzig am Brühl eine Gedenktafel eingeweiht. 2021 beschäftigten sich Fußballspieler der U 15 vom 1. FC Lokomotive Leipzig mit der Geschichte ihres Vereins und seinen jüdischen Mitgliedern. Sie erarbeiteten Stolpersteininschriften für alle 9 Mitglieder der Familie von Fritz Rotter. Im Mai 2022 sollen die Steine im Beisein der jungen Spieler verlegt werden.

Autor: Gerlinde Rohr

Literaturverweise
VfB-Mitteilungen. Offizielles Monatsblatt des Vereins für Bewegungsspiele zu Leipzig e.V. 8. Jg. (1918) bis 24. Jg. (1934), Ellen Bertram: Leipziger Opfer der Shoah. Ein Gedenkbuch. Leipzig 2015. ISBN 978-3-941780-10-1, Yuval Rubovitch und Gerlinde Rohr: Mit Sportgeist gegen die Entrechtung. Die Geschichte des jüdischen Sportvereins Bar Kochba Leipzig. Hentrich & Hentrich Leipzig 2020.
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