10 | Ein Rekord als Stolperstein

Bei den Olympischen Sommerspielen 1912 in Stockholm tritt die Nationalmannschaft erstmals bei einem Turnier an. Dort scheitert sie im Achtelfinale sogleich an Österreich, stellt im ersten Spiel der Trostrunde aber zwei Rekorde auf, die auch ein Jahrhundert später noch Gültigkeit besitzen:

Das 16:0 gegen Russland ist der bis heute höchste Sieg, zu dem allein Gottfried Fuchs zehn Treffer beisteuert, der damit wohl eine Bestmarke mit Ewigkeitswert aufstellt.

Sie wird in Zeiten des Nazi-Regimes zwischenzeitlich aus den Annalen getilgt, weil Fuchs als Jude ein Opfer der NS-Rassenideologie ist. Einst als erfolgreicher Nationalspieler des Karlsruher FV verehrt und im Ersten Weltkrieg mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet, bleibt ihm 1938 nur noch die Flucht aus Deutschland, um der nationalsozialistischen Verfolgung zu entkommen.

Aus seiner neuen Heimat Kanada kehrt er nie wieder zurück. Das Schicksal des Zehn-Tore-Helden steht stellvertretend für die Biografien unzähliger Opfer des Nazi-Terrors.

Ab 1933 werden Juden massenhaft aus den Vereinen gedrängt, so auch Fuchs‘ einstiger Mitspieler Julius Hirsch. Über viele Jahre stürmen sie gemeinsam für den Karlsruher FV und harmonieren auch in der Nationalelf sehr erfolgreich.

Soni Mulheron über ihren Vater Richard und Onkel Gottfried Fuchs anlässlich eines Gedenkkonzertes im Deutschen Fußballmuseum im Jahr 2020.

1943 trennen sich ihre Lebenswege auf grausamste Weise. Hirsch wird nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

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