Das Jahrhundertspiel wird 50

      Wie kaum eine andere Fußballnation spielte im Laufe der Jahrzehnte Italien Schicksal für die deutsche Nationalmannschaft insbesondere bei den großen Turnieren. Beim Streifzug durch die deutsch-italienische Fußballgeschichte im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund werden Erinnerungen geweckt an unvergessene Begegnungen, dramatische Momente und herausragende Erfolge bei Welt- und Europameisterschaften. Die Rivalität der großen Fußballnationen ist geprägt von - im wahrsten Sinn des Wortes - hitzigen Duellen und der Eigenschaft, sich gegenseitig zu Höchstleistungen zu treiben. 50 Jahre nach dem WM-Halbfinale zwischen den ewigen Kontrahenten blicken wir nun zurück auf das Jahrhundertspiel.

      „Die ersten 90 Minuten waren relativ langweilig“

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      Karl-Heinz Schnellinger erzielt kurz vor Ende der regulären Spielzeit das 1:1.

      Mit dem WM-Halbfinale von 1970 hat das ewig junge Duell einen denkwürdigen Ursprung. „Die ersten 90 Minuten waren relativ langweilig“, erinnert sich Franz Beckenbauer in einem Interview für das Begleitbuch zur Ausstellung des Deutschen Fußballmuseums. „Denn nach ihrer frühen Führung spielten die Italiener nur noch Catenaccio.“ Und das bedeutete: Alle Spieler versammelten sich um den eigenen Strafraum, was es für die deutsche Mannschaft mühsam machte, eine Lücke im Abwehrbollwerk zu finden und Torchancen zu kreieren. So dauerte es bis zur 90. Minute, ehe ihr doch noch das 1:1 gelang. 
      „Ausgerechnet Schnellinger“, ertönt es in einem der medialen Archive im Museum. Es ist der unvergessene Ausruf von Reporter-Legende Ernst Huberty, als er damals an seinem kleinen Monitor auf der Pressetribüne im Aztekenstadion von Mexiko-City  noch einmal in Zeitlupe den Ausgleichstreffer betrachtete. Erzielt von einem ehemaligen Meister-Spieler des 1.FC Köln, der zu dem Zeitpunkt seine üppigen Brötchen in Diensten des AC Mailand verdiente. „Ausgerechnet“ Karl-Heinz Schnellinger verhagelte also mit seinem Tor den Kollegen aus seiner beruflichen Wahlheimat kurz vor dem Schlusspfiff die Vorfreude auf den so greifbar nahen Einzug ins WM-Endspiel. Ein prägendes Beispiel für die These „Solche Geschichten schreibt nur der Fußball“. Und die Geschichte wurde bekanntlich ja noch viel doller. 
      In der Verlängerung lieferten sich beide Teams einen offenen Schlagabtausch und machten die Begegnung zum Jahrhundertspiel. Bis zur 120. Spielminute fielen noch weitere fünf Tore. Da die italienische Mannschaft nach wechselnder Führung am Ende eins mehr schoss als die deutsche, zog sie doch noch als glücklicher Sieger ins Finale gegen Brasilien ein. Im  Deutschen Fußballmuseum spiegelt eine große,  mit beeindruckendem Fotomaterial inszenierte Ausstellungswand die Dramatik der Auseinandersetzung wider. Und die setzte trotz des zunächst wenig spektakulären Spielverlaufs schon während der regulären Spielzeit ein. 

      Eine wahre Hitzeschlacht

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      Die Höhepunkte der 120 Minuten.

      Denn Franz Beckenbauer verletzte sich nach einem Foul an der rechten Schulter und musste minutenlang behandelt werden. Die Bilder, wie das für die deutsche Mannschaft unverzichtbare Fußballgenie mit einer Armschlinge schließlich weiterspielte, haben sich ins Fußballgedächtnis eingebrannt. An anderer Stelle ist ein Foto von Gerd Müller zu sehen, wie er auf dem Boden liegend dem Ball nachschaut, der gerade die Linie des italienischen Gehäuses überquert. In seiner grandiosen Schlichtheit ein typisches Müller-Tor. Wenige Minuten später ließ er noch ein zweites folgen, insgesamt gelangen ihm dadurch zehn Turniertreffer, womit er zum Torschützenkönig dieser WM avancierte. 
      107.000 Zuschauer im weiten Rund des Aztekenstadions ließen sich durch das Spiel zu Begeisterungsstürmen hinreißen und sorgten für einen wahren Hexenkessel. Die hohe Lufttemperatur heizte zusätzlich ein. Ein Thermometer an der Ausstellungswand weist auf die extremen Bedingungen hin. Knapp 50 Grad Celcius wurden damals gemessen. 

      Einmaliges Exponat

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      Im Fußballmuseum können Exponate rund um das Jahrhundertspiel bestaunt werden.

      Der mexikanische Fußballverband widmete der denkwürdigen Begegnung eine Erinnerungstafel, die auch heute noch an der Stadionmauer in Mexiko hängt. Zudem erhielten beide Teams eine Erinnerungsplakette, wovon ein Exemplar im Deutschen Fußballmuseum zu sehen ist – mit einem der Besonderheit des Spiels entsprechenden außergewöhnlichen Merkmal:  Eine darauf abgebildete Flagge der beiden Kontrahenten mutet in der Anordnung der Farben eher wie die belgische als die deutsche an. Kein Zweifel, Deutschland gegen Italien ist ein Duell, ohne das die Fußballgeschichte um einige historische Spiele und die Ausstellung des Deutschen Fußballmuseums um manch außergewöhnliches Exponat ärmer wäre.
      Übrigens: Die erschöpften Italiener waren im Finale chancenlos und mussten den WM-Pokal den Brasilianern überlassen, wohingegen die deutsche Mannschaft sehr wohl noch eine Trophäe einheimste. Bei der BAMBI-Verleihung 1971 wurde Uwe Seeler ausgezeichnet, stellvertretend für die dramatischen Spiele der Nationalmannschaft bei der WM 1970 in Mexiko. Das Rehkitz war damals vielleicht nur ein schwacher Trost, inzwischen ist es aber auch ein außergewöhnliches Exponat im Deutschen Fußballmuseum und eine weitere besondere Erinnerung an das hitzige Jahrhundertspiel.

      Erlebe das Jahrhundertspiel noch einmal im Fußballmuseum

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