* 22. Oktober 1923, Bremen
† 19. Juli 2013, La Llosa
Torwart
Stationen als Spieler:
1948-1949 St Helens Town AFC
1949-1964 Manchester City
1964 Wellington Town
Verein:
463 Spiele, 0 Tore (First Division, England)
Erfolge:
Englischer Pokalsieger: 1956
Bert Trautmann bleibt insbesondere mit einer Szene für immer verbunden: Im englischen FA-Cup-Finale 1956 zwischen Manchester City und Birmingham City riskiert der Torwart der Cityzens bei einer Hereingabe von außen im wahrsten Sinne des Wortes Kopf und Kragen. Ihm gelingt es, den Angriff zu entschärfen, doch im gleichen Moment wird er von Birminghams Stürmer Murphy mit dem Knie im Nacken getroffen. Nach minutenlanger Behandlung rafft er sich auf und wankt zurück in sein Tor, wohl auch in dem Bewusstsein, dass Auswechslungen seiner Zeit noch nicht erlaubt sind, und mit der Haltung, seine Kameraden nicht im Stich lassen zu wollen. Was zu dem Zeitpunkt noch niemand weiß: Trautmann bricht sich bei dem Zusammenprall das Genick und renkt sich fünf Halswirbel aus. Nicht ahnend, dass er sich in Lebensgefahr befindet, spielt er weiter und sichert seinem Team mit weiteren Paraden den Sieg im FA-Cup.
Ähnlich unglaublich verläuft sein Karrierestart: Als deutscher Soldat im Zweiten Weltkrieg gerät der gebürtige Bremer in britische Gefangenschaft. In der Lagermannschaft übernimmt er nach anfänglichen Einsätzen im Mittelfeld die vakante Torhüterposition und sorgt mit seiner spektakulären Art, Flanken abzufangen und nach den Bällen zu hechten, dort bereits für Aufsehen. Nach seiner Freilassung entscheidet er sich, in England zu bleiben und schließt sich zunächst einem Provinzverein an. Schon bald werden die Späher der großen Clubs auf ihn aufmerksam. Trautmann unterschreibt schließlich bei Manchester City einen Profivertrag und steigt dort zur Legende auf, obwohl es wegen seiner deutschen Herkunft in der Fangemeinde zunächst zu massiven Protesten gegen seine Verpflichtung kommt. Sieben Jahre nach seinem Einstieg bei City wird er als erst zweiter Ausländer überhaupt zum Spieler der Saison in Englands höchster Spielklasse gewählt. Doch die ultimative Ehrung steht ihm noch bevor: Nach seinem 463. und zugleich letzten Ligaspiel für Manchester City reißen die Fans im heimischen Stadion die Torpfosten heraus – zwischen ihnen sollte nie wieder ein anderer Torhüter stehen als Bert Trautmann.
Ein Einsatz in der deutschen Nationalmannschaft bleibt ihm allerdings nicht vergönnt, da Bundestrainer Sepp Herberger zu dieser Zeit nur Spieler berücksichtigt, die in Deutschland aktiv sind. Für seine Verdienste um die deutsch-britischen Beziehungen wird Bert Trautmann 1997 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet und 2004 im Auftrag von Königin Elizabeth II. zum Ehrenoffizier des britischen Empire ernannt.
Die HALL OF FAME des deutschen Fußballs ist auf Initiative des Deutschen Fußballmuseums gegründet worden. Im November 2018 und Januar 2019 haben führende Sportjournalistinnen und Sportjournalisten die Gründungsmannschaften der Männer und Frauen gewählt. Die Jurymitglieder waren aufgerufen, ihre Spieler- und Trainerpersönlichkeiten des deutschen Männer- und Frauenfußballs zu berufen. Genannt werden durften Spielerinnen und Spieler, die für deutsche Auswahlmannschaften spielberechtigt waren und deren Karriereende mindestens fünf Jahre zurückliegt. Die HALL OF FAME würdigt die größten Legenden des deutschen Fußballs erstmals zentral an einem Ort. Sie ist Teil der Dauerausstellung im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund. Am 1. April 2019 eröffnet, ist so eine dauerhafte Pilgerstätte für alle Fußballfans entstanden. Die Jury entscheidet im jährlichen Rhythmus über weitere Neuaufnahmen aus dem Männer- und Frauenfußball.